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Neuigkeiten für Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs

Neuigkeiten für Patientinnen
mit platinresistentem Eierstockkrebs

Der Pharmakonzern Eli Lilly hat kürzlich von der US-Arzneimittelbehörde FDA eine besondere Entwicklungsbeschleunigung (sogenannte Breakthrough Therapy Designation) für ein neues Medikament namens Sofetabart mipitecan erhalten. Diese Auszeichnung wird nur vergeben, wenn ein Wirkstoff erste Hinweise darauf zeigt, dass er in einer schweren Erkrankung deutlich bessere Ergebnisse liefern könnte als bisher verfügbare Therapien.

Was ist Sofetabart mipitecan?

Sofetabart mipitecan ist ein sogenanntes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC), das gezielt an den Folsäurerezeptor alpha (FRα) auf Tumorzellen bindet und dort eine Chemotherapie-Substanz freisetzt. Dieser Rezeptor ist bei vielen Eierstocktumoren stark vorhanden, was das Medikament gezielt wirken lassen soll.Bisherige Ergebnisse aus frühen Studien, die unter anderem auf großen Krebskongressen wie der ASCO 2025 und dem ESMO 2025 vorgestellt wurden, zeigten ein Tumoransprechen bei Patientinnen, die zuvor bereits Standardtherapien wie Bevacizumab oder Mirvetuximab soravtansine erhalten hatten. Die bisherigen Daten deuten zudem darauf hin, dass Nebenwirkungen überschaubar sind und schwere Lungenprobleme, Nervenschäden oder starke Augenschäden selten auftraten.

Was bedeutet die FDA-Auszeichnung?

Die Breakthrough Therapy Designation soll den Entwicklungsprozess beschleunigen und frühere Gespräche mit Behörden ermöglichen. Sie ist zwar kein sicherer Hinweis auf eine Zulassung, aber bedeutet, dass die bisherigen Ergebnisse so vielversprechend sind, dass eine schnellere Entwicklung und Prüfung sinnvoll erscheint.

Phase-3-Studie FRAmework-01 startet bald auch in Deutschland!

Auf Basis dieser positiven Zwischenergebnisse hat Lilly die Phase-3-Studie namens FRAmework-01 gestartet. In dieser wird Sofetabart mipitecan bei Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs (PROC) als Einzeltherapie untersucht und zusätzlich bei Patientinnen mit Platin-sensitivem Eierstockkrebs (PSOC) in Kombination mit Bevacizumab.Der Start der Studiendurchführung in Deutschland ist für das Frühjahr 2026 geplant und bietet Patientinnen die Möglichkeit, sich an einer laufenden Phase-3-Studie zu beteiligen, sofern sie die Einschlusskriterien erfüllen (z. B. Diagnose eines platinsensitiven oder -resistenten Tumors).

Sofetabart mipitecan ist ein vielversprechender Wirkstoff, der bei schwer behandelbarem, platinresistentem Eierstockkrebs wirken könnte, gerade bei Tumoren, die auf andere Behandlungen nicht mehr ansprechen und ist somit eine potenziell neue Therapieoption.

Mit der neuen Phase-3-Studie FRAmework-01 besteht die Chance auf eine Teilnahme an einer internationalen Studie in Deutschland, bevor eine spätere Zulassung erfolgt. Sobald die Studie startet finden Sie weitere Informationen auf unserem Studienportal!

Quelle: Pressemitteilung von Lilly (der Artikel ist auf Englisch)

Neue Studiendaten vom ESMO 2025 – Immuntherapie bringt erstmals Überlebensvorteil beim platinresistenten Eierstockkrebs

Neue Studiendaten vom ESMO 2025
Immuntherapie bringt erstmals Überlebensvorteil beim
platinresistenten Eierstockkrebs

Im Mai 2025 gab es bereits eine Pressemitteilung zu den ersten Studienergebnissen der ENGOT-ov65/KEYNOTE-B96-Studie, am Wochenende wurden bei dem ESMO Kongress in Berlin nun die aktuellsten vielversprechenden Ergebnisse vorgestellt. Diese internationale Phase-III-Studie untersuchte, ob die Kombination aus Pembrolizumab (einem Immuncheckpoint-Inhibitor) und Paclitaxel (einem Chemotherapeutikum), mit oder ohne Bevacizumab (einem Angiogenese-Hemmer), das Überleben von Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs verlängern kann.

Die Ergebnisse zeigen: Zwar fiel der Zugewinn beim progressionsfreien Überleben (PFS), also der Zeit, bis die Erkrankung weiterwächst, mit rund 2 Monaten eher klein aus, aber dieser Unterschied war klinisch relevant. Entscheidend ist jedoch der signifikante Vorteil im Gesamtüberleben (OS): Patientinnen, deren Tumoren PD-L1-positiv waren (ein Marker für Ansprechen auf Immuntherapie), lebten im Durchschnitt 18,2 Monate gegenüber 14,0 Monaten in der Vergleichsgruppe, die nur Chemotherapie erhielt.

Das bedeutet: Erstmals konnte bei dieser schwierigen Erkrankung, bei der bisherige Therapien oft nur kurzfristig wirken, ein echter Überlebensvorteil durch eine Immuntherapie gezeigt werden – und das in einer nicht vorselektierten Patientinnengruppe.

Auch das Sicherheitsprofil der Kombinationstherapie war insgesamt vertretbar, obwohl Nebenwirkungen ab Grad 3 bei etwa zwei Dritteln der Patientinnen auftraten. Besonders bemerkenswert: Der Überlebensvorteil zeigte sich unabhängig davon, ob zusätzlich Bevacizumab gegeben wurde oder nicht.

Fachleute werten diese Daten als möglichen Wendepunkt in der Behandlung des platinresistenten Eierstockkrebs. Bisher war die Wirksamkeit von Immuntherapien in dieser Krebsart begrenzt. Nun könnte sich das ändern, insbesondere für Patientinnen mit PD-L1-positiven Tumoren.

Trotzdem betonen Expertinnen wie Dr. Rebecca Kristeleit (London), dass die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden sollten. Der klinische Nutzen müsse gegen mögliche Nebenwirkungen und Kosten abgewogen werden. Auch bleibt offen, ob die Kombination künftig zugelassen wird oder nur für bestimmte Untergruppen empfohlen werden kann.

Abschließend wurde in Berlin auch über zukünftige Kombinationstherapien gesprochen: sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) könnten in Zukunft gemeinsam mit Immuntherapien eingesetzt werden und somit eine weitere Hoffnung für Patientinnen mit dieser schwierigen Tumorform bieten.

Quelle: ESMO Kongress Report (der Artikel ist auf Englisch)

Die wichtigsten ASCO-Ergebnisse bei Eierstockkrebs

Die wichtigsten ASCO-Ergebnisse 2025
bei Eierstockkrebs

Gestern fand das 26. NOGGO-Update zur gynäkologischen Onkologie statt, bei dem wichtige Studien zum Eierstockkrebs von der ASCO 2025 vorgestellt wurden. Wir waren vor Ort und möchten die wichtigsten Erkenntnisse teilen:

First-Line Therapie – Operation

Die TRUST-Studie verdeutlichte eindrücklich, dass der Erfolg der Primäroperation (direkt nach der Diagnose) entscheidend vom Standort und Qualität des Operationszentrums abhängt. Patientinnen, bei denen die Operation direkt durchgeführt wurde, hatten im Vergleich zur Intervalloperation (OP nach einer Chemo-Vorbehandlung) ein signifikant längeres progressionsfreies Überleben. Auch beim Gesamtüberleben zeigte sich ein numerischer Vorteil. Entscheidend dafür war unabhängig vom OP-Zeitpunkt, ob am Ende keine Tumorreste (R0-Ergebnis) verblieben. Die Wahl eines guten Zentrums ist bei der Erstlinienbehandlung also maßgeblich für den weiteren Krankheitsverlauf!

First-Line Therapie – Immuntherapie

In der FIRST-Studie wurde untersucht, ob die Zugabe des Immuntherapeutikums Dostarlimab zur Erstlinien-Chemotherapie einen Vorteil bringt. Die Ergebnisse zeigten nur einen moderaten Effekt: das progressionsfreie Überleben (die Zeit ohne Voranschreiten der Erkrankung) verlängerte sich im Median um 1,5 Monate, das Gesamtüberleben blieb unverändert. Zudem konnte keine bestimmte Patientinnengruppe identifiziert werden, die besonders stark profitierte.

Rezidiv-Therapie – Immunmodulation

Die ROSELLA-Studie zeigte für Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs einen echten Fortschritt: Die Kombination aus Relacorilant und dem Chemotherapeutikum nab‑Paclitaxel verlängerte das progressionsfreie Überleben signifikant – und eine Zwischenanalyse ergab einen klinisch bedeutsamen Vorteil beim Gesamtüberleben von etwa 4,5 Monaten. Die Kombination wurde gut vertragen; es traten keine neuen Sicherheitssignale.

Fazit für Kliniken und Patientinnen

Trotz positiver Signale aus TRUST und ROSELLA bleiben die aktuellen Leitlinien unverändert. Die Bedeutung einer hochwertigen Operation wird durch die TRUST-Studie weiter gestärkt, während im Rezidivsetting mit der ROSELLA-Studie erstmals konkrete Fortschritte durch die Kombination aus Relacorilant und Chemotherapie ersichtlich sind. Die immunologische Zugabe in der Erstlinie zeigte bislang nur begrenzten Nutzen.

Die Ergebnisse geben einen spannenden Ausblick, aber aktuelle Leitlinien empfehlen weiterhin etablierte Therapien. Weitere Analysen und Bestätigungen werden entscheidend sein, um neue Standards zu setzen.