Autorenarchiv: Jessica Nguyen

Highlight vom ESGO 2026 und neue Zulassung!

Wir waren beim ESGO in Kopenhagen und haben die Vorstellung der Studienergebnisse gesehen, die im Februar schon eine FDA Zulassung bekommen haben!

Keytruda + Paclitaxel als neue Option bei platinresistentem Eierstockkrebs

Am 10. Februar 2026 hat die US-Arzneimittelbehörde FDA eine neue Kombination aus dem Immuntherapie-Medikament Pembrolizumab (Keytruda) und der Chemotherapie Paclitaxel zugelassen (unabhängig von paralleler Behandlung mit Bevacizumab) für erwachsene Patientinnen mit platinresistentem epithelialem Eierstockkrebs, Eileiter- oder primärem Bauchfellkrebs, deren Tumoren PD-L1-positiv sind und die bereits eine oder zwei systemische Therapien erhalten haben.

Die Zulassung wurde basierend auf den finalen Ergebnissen der internationalen Phase-3-Studie ENGOT-ov65 / KEYNOTE-B96 erteilt.

🧪 Worum ging es in der Studie?

In der KEYNOTE-B96-Studie wurden 643 Patientinnen randomisiert untersucht, deren Tumor nach einer früheren platinbasierten Chemotherapie weiter wuchs. Alle erhielten Paclitaxel und optional Bevacizumab; zusätzlich bekam die eine Hälfte Pembrolizumab, die andere ein Placebo.

Wichtige Ergebnisse bei Patientinnen mit PD-L1-positiven Tumoren:

  • Das progressionsfreie Überleben (PFS), also die Zeit bis zur nächsten Krankheitsausbreitung, betrug 8,3 Monate mit Pembrolizumab vs. 7,2 Monate ohne Pembrolizumab. Das bedeutet, dass die Erkrankung unter der Kombination länger gestoppt werden konnte.

  • Das Gesamtüberleben (OS) war ebenfalls besser: durchschnittlich 18,2 Monate mit Pembrolizumab vs. 14,0 Monate ohne, was auf einen signifikanten Überlebensvorteil hinweist.

Diese Unterschiede waren statistisch signifikant, also keinen zufälligen Schwankungen zuzuschreiben, und zeigen, dass die Immuntherapie zusätzlich zur Chemotherapie sowohl das Fortschreiten verzögern als auch das Leben verlängern kann.

🧬 PD-L1-Test als Voraussetzung

Die Zulassung gilt nur für Patientinnen, deren Tumoren PD-L1 positiv sind, also bestimmte Immunmarker aufweisen. Dafür wurde zusätzlich ein begleitender PD-L1-Test (der PD-L1 IHC 22C3 pharmDx) von der FDA als Grundlage anerkannt, um Patientinnen auszuwählen, die von dieser Therapie profitieren könnten.

! Sicherheit & Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungshäufigkeit der Kombination war vergleichbar zu früheren Erfahrungen mit diesen Medikamenten und zeigte keine unerwarteten Sicherheitsprobleme. Allerdings können immunbedingte Reaktionen, Infusionsreaktionen und andere typische Effekte auftreten, weshalb eine sorgfältige ärztliche Begleitung wichtig ist.


📍 Was bedeutet das für Patientinnen in Deutschland?

✔️ Neue Therapieoption
Diese FDA-Zulassung markiert einen wichtigen Schritt: Zum ersten Mal wurde eine Immuntherapie-Kombination bei PD-L1-positivem, platinresistentem Eierstockkrebs offiziell genehmigt, weil solide Daten für längeres Überleben und bessere Krankheitskontrolle vorliegen.

✔️ PD-L1-Test wichtig
Voraussetzung für den Einsatz ist ein positiver PD-L1-Status, der vor Beginn der Therapie bestimmt werden muss, ähnlich wie bei anderen Immuntherapien.

✔️ Noch keine Zulassung in Europa
In Europa, also auch in Deutschland, ist diese Behandlung aktuell noch nicht offiziell zugelassen, die Daten wurden jedoch auch dort vorgestellt und der Zulassungsprozess bei der EMA läuft. Das bedeutet, dass Patientinnen diese Option derzeit noch nicht routinemäßig erhalten können, aber es ist sehr gut möglich, dass sie in absehbarer Zeit auch in Europa verfügbar wird.

✔️ Relevanz für die Versorgung
Vor allem für Patientinnen mit PD-L1-positiven, platinresistenten Tumoren könnte diese Kombination künftig eine bedeutende zusätzliche Behandlungsoption darstellen, insbesondere wenn Standardtherapien nicht mehr wirken.

Quelle: FDA Mitteilung (der Artikel ist auf Englisch)

Neue Abschlussdaten: Immuntherapie mit Atezolizumab bringt keinen Zusatznutzen bei rezidivierendem Eierstockkrebs

Neue Abschlussdaten: Immuntherapie mit Atezolizumab bringt keinen Zusatznutzen bei rezidivierendem Eierstockkrebs

Im Dezember 2025 wurden die finalen Studienergebnisse der AGO-OVAR 2.29 (ENGOT-ov34) Studie veröffentlicht.

In dieser großen internationalen Phase-III-Studie wurde untersucht, ob die zusätzliche Gabe des Immuntherapie-Medikaments Atezolizumab zusammen mit Bevacizumab und einer nicht-platinbasierten Chemotherapie das Überleben von Patientinnen mit rezidivierendem Eierstockkrebs verlängern kann.
Diese Form des Krebses tritt wieder auf, obwohl eine platinbasierte Chemotherapie bereits gegeben wurde, und gilt als besonders schwer zu behandeln.

Insgesamt wurden 574 Patientinnen in der Studie randomisiert und erhielten entweder die Standardbehandlung (Chemotherapie + Bevacizumab + Placebo) oder zusätzlich Atezolizumab.

Was hat die Studie gezeigt?

➡️ Kein deutlicher Überlebensvorteil wurde durch die Zugabe von Atezolizumab gefunden:

  • Die mediane Gesamtüberlebenszeit (OS) lag mit Atezolizumab bei etwa 14,2 Monaten und in der Kontrollgruppe bei 13,0 Monaten – dieser Unterschied war nicht statistisch signifikant, also nicht klar genug, um von einem verlässlichen Vorteil zu sprechen.

  • Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) – also die Zeit, in der der Tumor nicht wieder wächst – war mit Atezolizumab 6,4 Monate im Vergleich zu 6,7 Monaten in der Kontrollgruppe praktisch gleich und ebenfalls ohne statistisch gesicherten Vorteil.

💡 Das heißt: Die Immuntherapie mit Atezolizumab hat in dieser Studie nicht zu einer klar verbesserten Krankheitskontrolle oder Lebensverlängerung geführt, wenn sie zusätzlich zu Bevacizumab und Chemotherapie gegeben wurde.

Wie sieht es mit Nebenwirkungen aus?

Schwere Nebenwirkungen (Grad ≥ 3) traten bei Patientinnen, die Atezolizumab erhielten, etwas häufiger auf (72 % vs. 69 %), insgesamt war das Sicherheitsprofil aber vergleichbar mit dem, was bereits von den einzelnen Medikamenten bekannt ist.

Wurde ein Unterschied je nach PD-L1-Status beobachtet?

Die Studie untersuchte auch, ob Patientinnen mit PD-L1-positiven Tumoren (ein möglicher Hinweis auf ein besseres Ansprechen auf Immuntherapie) stärker von Atezolizumab profitieren. Das war nicht der Fall – die Ergebnisse waren ähnlich, egal ob der Tumor PD-L1-positiv oder -negativ war.

Wichtiger Beitrag zur Forschung
Auch wenn diese speziellen Ergebnisse negativ ausfallen, sind solche großen Studien wichtig, um genau zu verstehen, welche Therapien in welchen Situationen wirklich helfen – und wo wir noch neue Ansätze brauchen.

💡 Standards bleiben unverändert
Für Patientinnen mit platinresistentem Rezidiv bleiben derzeit die etablierten Behandlungswege, wie Chemotherapie mit Bevacizumab oder andere wirksame Kombinationen, der empfohlene Standard. Eine Immuntherapie wie Atezolizumab ist in diesem Setting aktuell nicht nachweislich wirksamer zusätzlich zur Standardbehandlung.

Quelle: Publikation vom ASCO (der Artikel ist auf Englisch)

Studienziel erreicht! – Ergebnisse der ROSELLA-Studie

Neue Erkenntnisse zur Behandlung von platinresistentem Eierstockkrebs – Ergebnisse der ROSELLA-Studie

Ende Januar veröffentlichte der Pharmakonzern Corcept Therapeutics eine Pressemitteilung zu den positiven Studienergebnissen der ROSELLA Studie!

Diese Studie hat untersucht, ob die Kombination aus dem Medikament Relacorilant und der Chemotherapie nab-Paclitaxel das Überleben von Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs verbessern kann.

Worum ging es in der Studie?

Platinresistenter Eierstockkrebs bedeutet, dass der Tumor trotz platinbasierter Chemotherapie weiter gewachsen ist und auf Standardtherapien nur eingeschränkt anspricht. Solche Patientinnen haben oft schlechte Prognosen und nur begrenzte Therapieoptionen.

In der ROSELLA-Studie wurden global 381 Patientinnen zufällig in zwei Gruppen geteilt:

  • Eine Gruppe erhielt nab-Paclitaxel allein (Standard-Chemotherapie),

  • die andere nab-Paclitaxel plus Relacorilant.

Was hat die Studie gezeigt?

📌 1. Weniger Risiko zu sterben
Patientinnen, die Relacorilant zusätzlich zur Chemotherapie erhielten, hatten ein um 35 % geringeres Risiko zu sterben als jene, die nur Chemotherapie bekamen. Das heißt, die neue Kombination verlängerte das Gesamtüberleben deutlich.

📌 2. Längere Überlebenszeit
Im Durchschnitt lebten Patientinnen mit Relacorilant 16,0 Monate, im Vergleich zu 11,9 Monaten mit nur Chemotherapie — also etwa 4 Monate länger.

📌 3. Besseres progressionsfreies Überleben
Schon früher war gezeigt worden, dass die Kombination auch die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung verbessert — also den Zeitraum, in dem Tumore nicht weiterwachsen.

📌 4. Gut verträglich
Wichtig: Die Kombination war gut verträglich, und schwere Nebenwirkungen traten nicht häufiger auf als bei der alleinigen Chemotherapie. Das bedeutet, dass Relacorilant seine Vorteile bringt, ohne die Sicherheit für Patientinnen merklich zu verschlechtern.

📌 5. Keine Biomarker-Einschränkung
Anders als bei manchen anderen Therapien war es bei dieser Studie nicht notwendig, Patientinnen nach einem bestimmten Tumor-Biomarker auszuwählen — die Vorteile der Therapie zeigten sich unabhängig von bestimmten Tumoreigenschaften.

Was bedeutet das für Patientinnen in Deutschland?

Neue vielversprechende Therapieoption in Sicht
Die Ergebnisse sind besonders wichtig, weil sie erstmals zeigen, dass eine zusätzliche Substanz nicht nur das Fortschreiten verzögert, sondern auch das Gesamtüberleben verlängert — und das ohne zusätzliche Sicherheitsprobleme.

Zulassungsanträge laufen derzeit
– In den USA prüft die Food and Drug Administration (FDA) derzeit den Antrag von Corcept auf Zulassung von Relacorilant für platinresistenten Eierstockkrebs; ein Ergebnis wird bis 11. Juli 2026 erwartet.
– Auch in Europa — einschließlich Deutschland — wird der Zulassungsantrag derzeit von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) bewertet.

➡️ Bis zur Zulassung bleibt es kein Standard in Deutschland
Solange Relacorilant nicht offiziell zugelassen ist, ist diese Kombination noch nicht Teil der regulären Behandlungsleitlinien in Deutschland. Aber die aktuellen Daten sind ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Quelle: Pressemitteilung von Corcept (der Artikel ist auf Englisch)