Neue Studienergebnisse beim wiederkehrenden Eierstockkrebs: Impfstoff-Erhaltungstherapie und ein neuer CDK2-Hemmer
Auf dem ESMO-Kongress 2026 wurden neue Ergebnisse aus zwei Studien zur Behandlung des wiederkehrenden Eierstockkrebses vorgestellt. Die randomisierte Phase-II-Studie DOVACC untersuchte, ob eine therapeutische Krebsimpfung in Kombination mit zwei bereits bekannten Wirkstoffen das Fortschreiten der Erkrankung nach einer Chemotherapie verzögern kann. Eine weitere, noch laufende Phase-I-Studie prüfte den neuen Wirkstoff INCB123667 zusammen mit Bevacizumab bei Patientinnen mit wiederkehrendem, überwiegend platinresistentem Eierstockkrebs. Beide Ansätze zeigten interessante Ergebnisse, müssen jedoch unterschiedlich eingeordnet werden.
DOVACC: Kombination aus Krebsimpfung, Olaparib und Durvalumab
Bei einem Rückfall des Eierstockkrebses kann nach einer erneuten platinbasierten Chemotherapie eine sogenannte Erhaltungstherapie infrage kommen. Sie soll dazu beitragen, den Behandlungserfolg möglichst lange aufrechtzuerhalten und ein erneutes Fortschreiten der Erkrankung hinauszuzögern. In der Studie DOVACC wurde untersucht, ob eine Kombination aus dem PARP-Hemmer Olaparib, dem Immuntherapeutikum Durvalumab und einer therapeutischen Krebsimpfung zusätzliche Vorteile bringen kann.
Die Krebsimpfung UV1 richtet sich gegen das Enzym Telomerase. Dieses ist in vielen Tumorzellen vermehrt aktiv und spielt eine Rolle dabei, dass sich die Zellen weiter teilen können. Die Impfung soll das Immunsystem dazu anregen, Tumorzellen zu erkennen, die dieses Zielmerkmal aufweisen. Olaparib hemmt PARP-Enzyme, die an der Reparatur von DNA-Schäden beteiligt sind. Dadurch können Tumorzellen Schwierigkeiten bekommen, Schäden in ihrem Erbgut zu beheben. Durvalumab gehört zu den Immuncheckpoint-Hemmern. Es blockiert das Protein PD-L1 und soll dadurch die Immunabwehr gegen Tumorzellen unterstützen.
An der internationalen, randomisierten Phase-II-Studie ENGOT-OV56/NSGO-CTU-DOVACC nahmen 188 Patientinnen mit wiederkehrendem Eierstockkrebs teil. Sie hatten bereits zwei bis drei Chemotherapielinien erhalten und zeigten nach der letzten platinbasierten Behandlung kein Fortschreiten der Erkrankung. Die Patientinnen wurden auf drei Behandlungsgruppen verteilt: Eine Gruppe erhielt Olaparib allein, eine zweite Olaparib zusammen mit Durvalumab und eine dritte die Kombination aus Olaparib, Durvalumab und acht Impfungen mit UV1 innerhalb von fünf Monaten.
Der wichtigste Untersuchungsendpunkt war das progressionsfreie Überleben, also die Zeit, in der die Erkrankung nicht weiter fortschreitet. Im Vergleich zu Olaparib allein lag das durchschnittliche progressionsfreie Überleben unter der Dreifachkombination bei 8,7 Monaten gegenüber 5,9 Monaten. Der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant. Damit wurde das primäre Studienziel nicht erreicht.
In einer Auswertung nach bestimmten Tumoreigenschaften zeigte sich ein möglicher Vorteil der Dreifachkombination bei Patientinnen mit HRD-negativen Tumoren. HRD steht für „Homologe-Rekombinations-Defizienz“ und beschreibt eine Störung in einem wichtigen Mechanismus zur Reparatur von DNA-Schäden. Bei HRD-negativen Tumoren wurde ein günstigeres Ergebnis für die Dreifachkombination beobachtet. Bei HRD-positiven Tumoren zeigte sich ein solcher Vorteil nicht. Diese Ergebnisse sind jedoch explorativ und müssen in weiteren Untersuchungen bestätigt werden.
Die Ergebnisse der DOVACC-Studie liefern somit Hinweise darauf, dass die Kombination aus UV1, Olaparib und Durvalumab für bestimmte Patientinnengruppen interessant sein könnte. Da der primäre Studienendpunkt nicht erreicht wurde, lässt sich daraus derzeit jedoch kein gesicherter zusätzlicher Nutzen der Krebsimpfung ableiten.
INCB123667: Neuer CDK2-Hemmer in Kombination mit Bevacizumab
Die zweite Studie untersuchte einen neuen Wirkstoff bei Patientinnen mit wiederkehrendem epithelialem Eierstockkrebs. Dabei handelt es sich um INCB123667, einen sogenannten CDK2-Hemmer. CDK2 ist ein Enzym, das gemeinsam mit dem Protein Cyclin E1 den Zellzyklus steuert und damit an der Zellteilung beteiligt ist. Bei manchen Tumoren ist Cyclin E1 vermehrt vorhanden oder das zugehörige Gen CCNE1 vervielfältigt. Dadurch kann die Aktivität von CDK2 für das Wachstum der Krebszellen besonders wichtig werden. INCB123667 soll dieses Enzym gezielt hemmen und so die Vermehrung der Tumorzellen bremsen.
In der laufenden Phase-I-Studie NCT05238922 wurde INCB123667 zusammen mit Bevacizumab untersucht. Bevacizumab ist ein Antikörper, der den Botenstoff VEGF blockiert. Dieser Botenstoff fördert die Bildung neuer Blutgefäße, über die Tumoren mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden können. Durch die Hemmung von VEGF soll die Blutversorgung des Tumors beeinträchtigt werden.
Die Auswertung umfasste 25 Patient:innen mit unterschiedlichen Krebserkrankungen, darunter 23 mit wiederkehrendem epithelialem Eierstockkrebs. Die Patientinnen mit Eierstockkrebs hatten im Durchschnitt bereits drei systemische Therapielinien erhalten. Viele waren zuvor mit Bevacizumab oder einem PARP-Hemmer behandelt worden. Fast alle hatten eine platinresistente Erkrankung, bei der der Krebs während einer platinbasierten Chemotherapie oder innerhalb eines kurzen Zeitraums danach erneut aufgetreten war.
Die Kombination zeigte erste Anzeichen einer Antitumorwirkung. Bei 11 der 23 Patientinnen mit Eierstockkrebs wurde eine objektive Tumorverkleinerung festgestellt. Das entspricht einer objektiven Ansprechrate von 48 Prozent. Bei insgesamt 21 von 23 Patientinnen konnte die Erkrankung zumindest kontrolliert werden. Diese sogenannte Krankheitskontrollrate umfasst sowohl Patientinnen mit einer messbaren Tumorverkleinerung als auch solche, bei denen die Erkrankung zunächst stabil blieb.
Das erste Ansprechen trat im Durchschnitt nach zwei Monaten auf. Die durchschnittliche Dauer des Ansprechens betrug 5,6 Monate. Bei acht Patientinnen hielt das Ansprechen zum Zeitpunkt der Auswertung noch an. Da es sich um eine frühe Auswertung mit einer kleinen Patient:innengruppe handelt, sind diese Ergebnisse vorläufig.
Auch die Verträglichkeit wurde untersucht. Alle 25 Teilnehmenden hatten behandlungsbedingte Nebenwirkungen. Bei 52 Prozent traten schwerwiegendere Nebenwirkungen des Grades 3 oder 4 auf. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden bei 16 Prozent berichtet. Es wurden keine Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen und keine tödlichen Nebenwirkungen angegeben. Die Nebenwirkungen konnten durch Anpassungen der Dosis behandelt werden.
Die Ergebnisse geben einen ersten Hinweis darauf, dass die Kombination aus INCB123667 und Bevacizumab auch bei stark vorbehandeltem, wiederkehrendem Eierstockkrebs eine Wirkung zeigen könnte. Da die Studie noch läuft und bisher nur wenige Patientinnen mit Eierstockkrebs ausgewertet wurden, sind weitere Untersuchungen notwendig, um die Wirksamkeit und Sicherheit der Kombination besser beurteilen zu können.
Einordnung der Ergebnisse
Beide Studien untersuchen neue Behandlungsansätze für Patientinnen mit wiederkehrendem Eierstockkrebs, richten sich jedoch an unterschiedliche Behandlungssituationen. DOVACC prüfte eine mögliche Erhaltungstherapie nach einer erneuten platinbasierten Chemotherapie. Der zusätzliche Nutzen der Krebsimpfung konnte in der Gesamtgruppe statistisch nicht nachgewiesen werden. Die Studie zu INCB123667 untersuchte dagegen eine neue Wirkstoffkombination bei überwiegend platinresistentem und bereits mehrfach vorbehandeltem Eierstockkrebs. Die beobachteten Tumorverkleinerungen sind ermutigend, müssen aber durch weitere Studien bestätigt werden.
Beide Wirkstoffkombinationen sind noch Gegenstand klinischer Forschung und stellen derzeit keine etablierte Standardbehandlung dar.
Quellen: DOVACC; NCT05238922 (die Artikel sind auf Englisch)