Rezatapopt: Neue zielgerichtete Therapie bei Eierstock- und Gebärmutterkörperkrebs untersucht

Neue zielgerichtete Therapie bei Eierstock- und Gebärmutterkörperkrebs untersucht

Beim International Gynecologic Cancer Society (IGCS) Kongress in Montreal Anfang Oktober wurden neue Ergebnisse der laufenden Phase-II-Studie PYNNACLE zu Rezatapopt vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen neuen Wirkstoff, der gezielt bei Tumoren mit einer bestimmten Veränderung im TP53-Gen, der sogenannten TP53-Y220C-Mutation, eingesetzt wird. Die vorgestellten Ergebnisse stammen aus einer Zwischenanalyse.

Wie funktioniert Rezatapopt?

Das TP53-Gen enthält den Bauplan für das Protein p53, das normalerweise dabei hilft, geschädigte Zellen zu erkennen und ihre weitere Vermehrung zu verhindern. Bei der TP53-Y220C-Mutation ist die Struktur dieses Proteins verändert und seine normale Funktion beeinträchtigt. Rezatapopt bindet gezielt an die veränderte Stelle des p53-Proteins und stabilisiert es wieder. Dadurch soll die ursprüngliche Funktion von p53 möglichst weitgehend wiederhergestellt werden. Der Wirkstoff gehört damit zu den sogenannten p53-Reaktivatoren.

Die PYNNACLE-Studie untersucht Rezatapopt als alleinige Behandlung bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, deren Tumor diese spezielle TP53-Y220C-Mutation aufweist. In der Studie werden verschiedene Krebsarten in eigenen Gruppen untersucht. Für gynäkologische Krebserkrankungen gibt es unter anderem eine Gruppe für Eierstock- und eine für Endometriumkrebs. Die behandelten Patientinnen waren teilweise bereits mehrfach mit anderen Therapien behandelt worden.

Welche Ergebnisse wurden bei gynäkologischen Tumoren beobachtet?

In der Auswertung wurden 76 Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs behandelt. Sie hatten im Durchschnitt bereits vier verschiedene systemische Therapien erhalten. Bei einem großen Teil der Patientinnen zeigte sich dennoch ein Ansprechen auf Rezatapopt.

Von den 72 Patientinnen, bei denen die Wirksamkeit ausgewertet werden konnte, erreichten 44,4 % eine objektive Tumorverkleinerung. Das bedeutet, dass sich der Tumor bei etwa vier von zehn Patientinnen unter der Behandlung messbar verkleinerte. Bei einem noch größeren Anteil konnte die Erkrankung zumindest unter Kontrolle gehalten werden, das heißt, der Tumor verkleinerte sich oder blieb über einen bestimmten Zeitraum stabil. Die Ergebnisse waren dabei auch bei Patientinnen vielversprechend, die bereits gegenüber anderen Therapien wie Bevacizumab oder PARP-Inhibitoren behandelt worden waren. Bei Patientinnen mit vorheriger PARP-Inhibitor-Therapie lag die objektive Ansprechrate beispielsweise bei 52,6 %.

Auch bei Patientinnen mit FRα-positiven und FRα-negativen Tumoren wurden Ansprechraten beobachtet. Damit deuten die bisherigen Ergebnisse darauf hin, dass die Wirksamkeit von Rezatapopt nicht von einer bestimmten Ausprägung des Folatrezeptors α abhängig ist.

Auch bei den neun ausgewerteten Patientinnen mit Endometriumkrebs wurden vielversprechende Ergebnisse beobachtet. Hier lag die objektive Ansprechrate bei 55,6 %. Aufgrund der sehr kleinen Zahl an Patientinnen sind diese Ergebnisse allerdings noch mit großer Vorsicht zu interpretieren.

Wie gut wurde die Behandlung vertragen?

Auch hinsichtlich der Verträglichkeit zeigten sich in der bisherigen Auswertung überwiegend gut kontrollierbare Nebenwirkungen. Die häufigsten behandlungsbedingten Nebenwirkungen waren Übelkeit, Müdigkeit und ein Anstieg des Kreatininwertes im Blut. Die meisten Nebenwirkungen waren leicht bis mittelgradig und vorübergehend. Bei sieben von 141 insgesamt ausgewerteten Patient:innen musste die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen beendet werden.

Was bedeuten die Ergebnisse?

Die bisherigen Ergebnisse sind insbesondere deshalb interessant, weil Rezatapopt gezielt eine bestimmte Veränderung des p53-Proteins angreift und auch bei stark vorbehandelten Patientinnen deutliche Tumorverkleinerungen beobachtet wurden. Damit könnte dieser Ansatz zukünftig eine neue Behandlungsmöglichkeit für Patientinnen mit einer TP53-Y220C-Mutation darstellen.

Allerdings handelt es sich weiterhin um ein Prüfmedikament. Rezatapopt ist derzeit weder in Europa noch in den USA für die Behandlung von Krebs zugelassen. Die PYNNACLE-Studie läuft noch, sodass weitere Daten benötigt werden, um die Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung besser beurteilen zu können. Entscheidend wird insbesondere sein, ob sich die bisher beobachteten Tumorverkleinerungen in größeren Patientengruppen bestätigen und langfristig zu einer Verlängerung der krankheitsfreien beziehungsweise Gesamtüberlebenszeit führen.

 

Quelle: Vortrag beim IGCS am 2. Oktober 2026